Von Neu- und Ungerechtigkeiten

Wo soll ich anfangen?

Zurück in Deutschland kommt teilweise mein altes Leben zurück. Teilweise eben. Ich habe mich an verschiedenen Unis beworben und arbeite nebenbei auf dem Spargelhof um ein wenig Geld zu verdienen. Corona existiert noch immer, obwohl ich ja wieder Leute treffen kann und es mich deswegen nicht mehr so einschränkt.

Das tut mir auch wirklich gut, aber Struktur fehlt, die ich in Indien hatte. Mir fehlt meine komplette Selbständigkeit. Einfach sagen zu können „ich besuche meine Freunde für ein paar Tage“. Oder auch selbst zu bestimmen wann ich mein Klo putze.

Dennoch habe ich ein paar Eigenschaften mitgenommen aus meinem Einsatz und darf auch immer noch daraus lernen und auch wertschätzen. Ich vermisse die Berge, aber schätze die Natur und die Luft. Ich vermisse die Kinder aber liebe es auch meine Zeit gerade komplett selbst einzuteilen.

Manchmal lasse ich mich von der Mentalität alles pünktlich und geplant zu machen mitreißen und merke, dass es auch anders geht. Es war so schön alles spontan machen zu können und eine Aufgabe zu haben. Die Leute tanzen, singen und reden offen, hier bin ich komisch wenn ich barfuß laufe. Ich merke, dass es guttut man selbst zu sein.

Sich nicht zu verstellen, zu sich zu stehen. Und vor allem zu seiner Meinung. Laut zu werden, wenn es an der Zeit ist.

Wie war das noch mit dem Rassismus?

Alle reden darüber als wäre das Tehma vorher noch nie aufgekommen, jedoch existiert das grundlegende Problem schon immer. Das Denken der Menschen. Es fängt bei kleinen Situationen und es wird verdrängt, es wird sich nicht laut genug geäußert. Aber sollte das kleinste „Nein“ nicht reichen? Die Schuld wird woanders gesucht und das Thema verblasst.

Genau das ist falsch. Daraus lernen und vor allem es besser zu machen und eventuell zu seiner Schuld stehen und Umdenken zulassen. Bewusstsein schaffen, damit die Betroffenen nicht alleine sind…außerdem ist Kritik gut und auch wichtig, aber nicht auf die Hautfarbe bezogen. Denn diese spielt keine Rolle.

Es hat keiner verdient unter seiner Würde behandelt zu werden.

Es wird sich oft ausgeruht, eingefahren im Alltag. Auch das habe ich mitgenommen: Bewusstes Leben. Sich seiner Privilegien bewusst sein. Das heißt nicht, dass man auf alles verzichten muss, nein, man sollte sich im Klaren sein, dass es viele Menschen gibt, die all das nicht genießen können. Und mit im Klaren sein meine ich nicht nur wissen, sondern wirklich begreifen. Es ist so einfach daher gesagt, aber auch weiß zu sein, um oben anzuknüpfen, ist ein Privileg. Und das ist nicht richtig. Jeder sollte die gleichen Chancen haben sich beisspielsweise weiterzubilden und nicht auf sein Aussehen oder seinen Hintergrund reduziert werden.

In der Hayden Hall waren vorwiegend Familien aus Nepal betreut, die in Indien Geld verdient haben. Jetzt teilt der Staat aber nur Indern die notwendigen Versorgungspakete aus. Auch wenn die Nepalesen seit etlichen Jahren in Darjeeling wohnen sind sie nicht mit eingeschlossen.

Sie haben keine andere Wahl als zurückzugehen, dort wo sie nichts mehr haben. Als ich davon gehört habe, musste ich schlucken, das ist doch nicht Wahr?!

Selbst in einer Situation, wo wir aufeinander angewiesen sind, wird Diskrimminiert und ausgeschlossen. Und viele Situationen wie diese passieren überall auf der Welt. Und das war mir auch nicht immer bewusst. Man lebt so vor sich hin und guckt vielleicht Nachrichten… aber ändern? Das tun die wenigsten. Also äußert euch, denn ein Umdenken ist nötig.

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