Kinder über Kinder

Lang ist´s her…

Es ist viel passiert in letzter Zeit. Ich habe mich an Fachhochschulen beworben, ziehe bald um, habe nebenbei gearbeitet und viel erlebt. Meine mir bekannte Welt verändert sich. Meine Freunde ziehen weg und ich selbst sammle auch neue Erfahrungen.

Zum Beispiel im Waldorfkindergarten, in welchem ich noch bis das Studium anfängt, aushelfe. Hier fühle ich mich sehr wohl, da ich Kinder um mich herum habe, vieles erinnert mich an Indien, viele Unterschiede fallen auf und Fragen stellen sich mir. Beide Kindergärten haben ihren eigenen Tagesaublauf, was sehr wichtig für die Kinder ist. Doch sind die Kinder in Indien viel abgehärteter als hier. Nicht zuletzt, weil weniger hinterfragt wird.

Der Hollerbusch- Waldorfkindergarten Everswinkel

Hier im Kindergarten sitzen die Eltern die ersten Wochen am Rand und wollen es ihren Kindern leichter machen, sich einzugewöhnen. Schreit ein Kind wird es direkt auf den Arm genommen und beruhigt, während in Indien die Eingewöhnung aus: „let her/him cry. They have to get used to it“, bestand. Das ist hart zu sehen. Hier stellt sich mir die Frage, was richtig ist. Meiner Meinung nach muss man das Kind kennenlernen und dann einschätzen. 4 Tage durchweinen lassen ist keine Option, aber immer die volle Aufmerksamkeit einem Kind zu widmen ist auch nicht das wahre.

Was ich richtig und wichtig finde ist das draußen spielen. Die Kinder haben genug Platz ihrer Energie freien Lauf zu lassen und lernen sich selbst dadurch auch einzuschätzen, bzw ihren Platz in der Natur und Alltag kennenzulernen.

Und auch hier fällt mir immer wieder auf, wie viele Privilegien wir haben.

Wir sollten dankbar sein für die Zeit, die wir mit den Kindern verbringen können. Elternzeit, auch mal einen Tag frei und vor allem auch das Geld um die Kinder zu ernähren und auch auf dieses einzugehen.

In den westlichen Ländern ist der nächste Wald oder Park meist nicht weit und für Attraktionen und sichere Plätze zum spielen ist gesorgt. All das ist so wichtig und das wird mir klar, denn in Indien war die HH für die dort herrschenden Bedingungen ein echt guter Platz, jedoch im Vergleich zu Deutschland bemerkt man so viel Entwicklungspotential.

Noch ein paar Gedanken…

In Indien habe ich ja mal in Kalimpong ein Kunstprojekt angeleitet und hatte im Vorfeld beobachtet, dass die Kinder sehr darauf bedacht waren, ihre Werke „ordentlich“ zu malen, wozu sie häufig das Radiergummi nutzten, welches ihnen ermöglichte, in ihren Augen Unpassendes zu entfernen. Ich habe mich daraufhin bewusst entschieden, das Radiergummi beim malen nicht nutzen zu dürfen. Dies war für die meisten Kinder eine Herausforderung

Außerdem hatten sie den Auftrag, Blumen und Pflanzen mit dem Finger zu malen. Auch hier bemerkte ich eine Hemmschwelle bei den Kindern. Ohne diese Stütze durch das Radiergummi waren sie herausgefordert, „Unperfektes“ zuzulassen. Nur wenige Kinder wollten sich auf dieses Experiment einlassen. Einige Kinder haben nach einiger Zeit angefangen zu zeichnen und waren sehr stolz auf ihr Resultat, während andere auch nach geraumer Zeit noch immer diese Schwelle nicht überwinden konnten. Um die Fähigkeit zu entwickeln, sich zeichnerisch auszudrücken, muss meiner Meinung nach ein Bild keine perfekte Kopie einer Vorlage sein. Aus diesem Grund habe ich versucht, den Horizont der Kinder zu erweitern und ihnen die Möglichkeit geboten, sich freier auszudrücken. Dies wurde jedoch von den meisten als Einschränkung wahrgenommen. Ich habe versucht, durch Ermutigung ihnen den vorhandenen Druck zu nehmen.

Und das kann ich auch schon bei den kleineren im Kindergarten in Deutschland feststellen. Auch schon mit 3 Jahren soll es gut aussehen und manche Kinder fordern mich auf etwas zu malen, während die wenigsten zufrieden mit ihrem Bild sind. Ich animiere zum malen, indem ich selbst anfange, ich frage mich dennoch woher dieser Drang nach Perfektionismus herkommt.

Ich denke einerseits will das Kind es Realitätsgetreu malen, vergleicht sich und wartet auf Rückmeldung. Und diese ist dann meist, das etwas gut aussieht eine Nachahmung des Wirklichen.

Danke! Wenn euch noch Vorschläge für weitere Einträge einfallen, meldet euch! Ansonsten kommt immer mal wieder ein kleiner Einblick in meine Welt:) Ich hoffe ihr hattet Spaß beim lesen! Grüße, Lara

Mine Abschiedsgeschenke

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