Erste Eindrücke

Naamaaste!

Endlich da.

Wir steigen in eine Art Landrover und werden nach Darjeeling gebracht. Tausend Eindrücke prasseln auf mich ein:

Bunt gekleidete Leute laufen kreuz und quer über die Straße während die Autos durchgehend hupen um sich lediglich anzukündigen. Je höher die holprige Fahrt geht, desto kühler und nebeliger wird es. Zwischenzeitig wird einer Kuh, einem anderen vollbepackten Auto oder einem Fahrradfahrer ausgewichen. Es ziehen kleine Hütten und Teefelder an mir vorbei.

Straßenschilder werden hier überbewertet, genauso wie die Mittellinie. Nach dem Motto, jeder fährt so, wie er will… Dementsprechend brauchen wir für 60 Kilometer auch 2 ½ Stunden.

Angekommen wurden wir lieb begrüßt mit einem Darjeeling Tee (wer hätte es gedacht). Jetzt lebe ich mit Theresa, Luis und Helene im Hayden Hall, bis wir uns aklimatisiert haben:) Die anderen fahren dann in den Nachbarort um dort zu arbeiten.

Ansonsten habe ich schon eine Kurta (die Kleidung hier) gekauft und mir die Stadt angeschaut…immerhin lebe ich hier für ein Jahr. Es ist sehr voll hier und das gehupe und die Menschenmassen machen es ein bisschen hektisch. Außerdem sieht man hier deutlich mehr Müll als in Deutschland und auch die Luft ist nicht so die beste.

Jedoch hat darjeeling echt schöne Ecken. Es ist bunt und alle grüßen einen mit einem freundlichen Namaste. Die kleinen Gassen sind der Hammer und der Markt, wo es wirklich alles gibt hat eine unbeschreibliche Athmosphäre.

Bald fängt die Arbeit für mich im Strive an. Das ist hier der Kindergarten. Heute habe ich schon ein bisschen gebastelt und beim Lunch geholfen, das die Kleinen auch aufessen;)

Da die Kinder so gut wie nur Nepali sprechen und grade Englisch lernen, stürze ich mich auch mal in die neue Sprache… der Klang ist total schön, vor allem wenn alle zusammen singen.

Jedoch muss ich immer nachfragen was dies und jenes heißt, anders geht es nicht.

Ma ahile jaane sutne, Raamro saangaa jannus!

Ich gehe jetzt schlafen, auf Wiedersehen!

Downtown erkunden
Auch die Kleidung muss mal gewaschen werden
Ausblick von der Dachterasse

Die Geschichte mit dem Visum

Diese Geschichte oder man kann auch sagen Anekdote handelt von indischer Büroktratie.

Anfangs dachte ich, dass ich in das Beantragen viel Geduld und Zeit beansprucht, aber nicht so viel wie es dann gekostet hat.

Zunächst habe ich alle Daten online ausgefüllt und die geforderten Dokumente (Passfotos, Invitation Letter und vieles mehr…), zum Konsulat geschickt. Ein paar Wochn später bekam ich eine E-Mail mit der Aufforderung einen Betrag von 232,64 Euro zu bezahlen…nur an welche Bankverbindung wusste ich immer noch nicht. Nachdem ich dann nach einer weiteren Mail diese heraugefunden habe und auf ein weiteres Nachfragen, ob ich meine Fingerabrücke auch einreichen müsse, kam die Antwort: „You have to come personnally“.

Und das 1 ½ Wochen vor Abflug.

Ich also nach Frankfurt.Dort angekommen habe ich ein Nummer gezogen und wie man es kennt mich dann hingesetzt und gewartet. Nach 40 Minuten wurde es mir zu blöd und ich habe mich kurzerhand vor deren Schreibtisch gestellt und gesagt, dass ich Fingerabdrücke brauche.

Die zuständige Frau fragte nach meinem Namen, woraufhin sie anfing meinen Reisepass zu suchen.

Nach einer gewissen Zeit haben dann drei Leute gesucht, bis dann irgendwann einer auf die Idee kam nach meinem Perso zu fragen…anscheinend hat keiner meinen Namen auch nur ansatzweise verstanden beim ersten Nachfragen. Naja als dann mein Pass gefunden wurde, stellte man fest, dass mir ja noch Kopien fehlten…Letztendens war ich dann drei Stunden dort, um 10 Fingerabrücke zu machen und um 6 Euro für die Kopie der Rechnung zu zahlen…Why not.

Zurück Zuhause

Nach einer Woche hatten dann die anderen, die nach Indien fliegen ihr Visum schon, nur ich nicht.

In den darauffolgenden Tagen hing ich bestimmt drei mal am Telefon und habe denen vier Mails geschrieben. Mit viel hin und her wurde dann mein Pass abgestempelt und ich habe mein Visum bekommen. Dieses musste dann mit dem Kurier zu mir geschickt werden…abholen ging nicht, da ich das Visum ja per Post beatragt habe.

Der Kurier kam Mittwoch um halb 11… um 15:30 bin ich dann losgefahren. Knapper ging nicht.

Grund dafür (hab ich erst später herausgefunden): da ich das Geld überwiesen habe dauert die Bearbeitungszeit 2-3 Wochen, anstatt in Bar 3-6 Tage. Kann ja keiner wissen…

Naja wenisgtens kennen mich die Mitarbeiter im Konsulat jetzt;) und ich bin auf jeden Fall bin ich nun stolze Besitzerin eines Visums.

Seminare- ein kurzer Einblick

Hey!

… ich wollte euch mal erzählen, was so alles schon gelaufen ist, noch bevor ich nach Indien fliege. Denn schon davor fängt das Auslandsjahr an…, nicht erst wenn man am Einsatzort ist.

Nachdem ich mich bei den Jesuits beworben habe und dann auch angenommen wurde, fing die Vorbereitung an. Wir Jesuitvolunteers haben sich insgesamt fünf mal auf den Weg quer durch Deutschland gemacht um an den Vorbereitungsseminaren dabei zu sein.

Wir haben uns viel mit den Themen wie Glaube und Gerechtigkeit, kulturbewusste Kommunikation, Armut, und auch Prävention von Gewalt auseinandergesetzt.

Mir persönlich hat das echt gut getan und auch den Horizont erweitert, vor allem sich mal bewusst zu machen, dass auch sehr viel Armut schon in Deutschland existiert. Dazu haben wir z.B. an einem der Seminare ein Experiment gemacht, in dem wir einen Tag mit Obdachlosen verbracht haben. Und wir hatten außer einem Euro nichts dabei.

Es war krass was die Leute auf der Straße schon alles durchgemacht haben…jedoch jeder von ihnen war unerschütterlich und meistens auch optimistisch. Sie hatten beispielsweise eine andere Person, die ihnen Kraft gespendet hat oder einen Leitsatz wie: „Wenn Gott oder das Schicksal es will wird er mir ein Zeichen geben und eines Tages komme ich von der Straße, wer weiß“.

Das ist den meisten Menschen gar nicht so bewusst, da sie in dieser „heilen Welt“- Blase leben oder die Augen davor verschließen. Genau das möchte ich in meinem Jahr verstehen: Was sozial benachteiligte Menschen antreibt und um das zu verstehen möchte ich einfach mitleben in ihrer Kultur. Vor allem Offenheit, Neugier aber auch Verständnis spielen für mich eine große Rolle.

Ansonsten habe ich viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet, damit die Leute über mein Projekt Bescheid wissen und bestenfalls dieses mit Spenden unterstützen. Ein Artikel über mein Projekt war beispielsweise in der Zeitung und habe in mehreren heiligen Messen einen kurzen Vortrag gehalten.

Mein nächster Eintrag wird dann aus Indien kommen… bis bald:)