Meine ersten Tage im Strive

Der Kindergarten und auch die Kinder sind absolut nicht zu vergleichen mit denen in Deutschland.

Der Ablauf ist immer ungefährt derselbe: Am morgen spielen, malen oder gucken die Kleinen Fernsehen, während ein paar der Gruppe Schreiben üben. Da ich bisher noch neu bin bastele oder male ich in der Zeit. Beispielsweise Tiere, damit die Kinder die Namen in Englisch lernen können.

Bastelzeug ist hier teuer, deswegen wird alles recycelt und weiter verwendet. Um ca halb 11 gibt es dann immer eine kleine Teezeit, in der ich ich dann gerne die Farben mit den Kindern übe indem ich frage, welche Farbe die Tasse hat, die sie haben möchten. Danach gehen immer alle selbstständig aufs Klo und es kann weitergespielt werden.

Wir am Independence Day

Mittags waschen wir dann allen die Hände und gehen im Anschluss daran eine Etage tiefer, um Mittag zu essen. Dort setzen sich dann alle hin und warten alle bis sie ihre Portion bekommen. Die Kinder, die etwas langsamer sind werden gefüttert. Wenn sie ihre Schüssel leer haben, fordern alle paani, also Wasser. Das wird dann in die Schüssel gegossen und auch gelöffelt. Danach wird ein Mittagsschlaf gehalten. Dort liegen die Kleinen Haut an Haut auf einer Matte…das würde ohne viel Theater in Deutschland auch nie funktionieren. Am Nachmittag werden Lieder geübt und auch wieder gespielt. Um Drei kommt dann der Elternabholdienst.

Smile:)

Was mich immer noch etwas erschreckt ist, dass die Erzieherinnen die Kinder teilweise mit einem harschen Ton ansprechen oder am Arm packen, wenn eines der Kinder grad nicht bei der Sache ist oder einfach langsamer als die anderen ist. Dementsprechend haben die Kinder weniger Respekt vor Lydia und mir, jedoch versuchen wir uns auf unsere Weise durchzusetzen. In den letzten Tagen haben die Kinder gemerkt, dass ich auch mal lauter werden kann, jedoch auch immer für Späße offen bin.

Was ich auch feststellen musste ist, dass die Kinder eigentlich selten weinen… nicht wenn sie hinfallen und auch nicht wenn sie mal härter behandelt werden. Die Ausnahme ist, wenn man sie dann dazu auffordert, sich zu entschuldigen, also wenn sie selbst merken, dass sie etwas falsch gemacht haben.

Ich freue ich mich immer alle zu sehen, da sie hier im Strive gut aufgehoben sind und sie dann in einer anderen Umgebung als zuhause Kind sein können. Meistens sind die Kleinen immer stolz wenn sie etwas gemalt haben und rufen dann immer „Miss“, um mich auf sie aufmerksam zu machen und mir stolz ihr Bild zu zeigen.

Ich denke ich kann noch viel lernen, vor allem die Sprache, da ich nicht gut Nepali kann und die Kinder noch keine Englischen Sätze bilden können.

Ein kleiner Ausflug nach Kalimpong

Vorige Tage haben wir Helene und Theresa nach Kalimpong zu ihren Gastfamilien gebracht.

Auf dem Weg dorthin haben wir den Teesta überquert, ein großer Fluss, der vorwiegend aus Gletscherwasser besteht und dadurch relativ reißend ist.

Gut zwei Stunden später sind wir alle gut durchgeschüttelt aus dem Auto gestiegen. Theresa wohnt nun bei einer Familie, die ein kleines Haus am Berg, außerhalb der Stadt hat. Mir kam es vor wie beim Ferienlager…eine kleine Feuerstelle und provisorische Wäscheleinen. Um dorthinzugelangen sind wir einen kleinen Trampelpfad, der durch 10 Meter hohen Bambus und anderen Gewächsen führt, entlanggekrakselt. Um uns rum haben die Grillen ihr bestes gegeben, während wir deutschen uns staunend umgeguckt haben.

Es war sonst sehr leise da…Es ist ein guter Ort um auch mal alleine sein zu können und zu reflektieren, jedoch denke ich, dass das auch sehr schnell in Einsamkeit umschlagen kann- vor allem wenn man noch mit der Sprache zu kämpfen hat. Naja ich bin mal gespannt wie Theresa das alles sieht nach einer gewissen Zeit.

Nachdem Luis und ich dann nach zwei Abschieden und 4 Tee später in die Gandhi Ashram School zurückgekehrt sind, waren wir froh über eine RICHTIGE Dusche (in der Hayden Hall haben wir uns immer in Eimern gewaschen), da es deutlich tropischer in Kalimpong ist…gut 10 Grad mehr als in Darjeeling und Pflanzen, die man noch nie gesehen hat.

Abends hat man einen phantastischen Ausblick auf die Berge und man sieht nach und nach immer mehr Lichter. Dadurch, dass es so viele Dörfer gibt, sieht es aus wie ein Sternenhimmel: „You see, that´s our galaxy“, hat Father Paul wie ich finde passend auf den Punkt gebracht.

SAVE DRIVE, SAVE LIFE

Mother´s Day

Am Donnerstag den 08.08 war hier in Indien Muttertag.

Das wird hier total groß gefeiert, dementsprechend haben einige Kinder und Jugendliche in der Hayden Hall ihren Müttern etwas vorgetragen.

Die Kinder aus dem Strive, haben mit den Erzieherinnen ein paar Lieder eingeübt, die sie dann gesungen haben. Es hat zwar nicht so perfekt geklappt, wie man sich das vorstellt, denn die Kinder waren sehr eingeschüchtert.

Außerdem haben ein paar älterere Schülerinnen zu einem Indischen Lied getanzt. Sie haben sich sehr hübsch gemacht und sich echt mühe gegeben. Es hat mich gewundert, wie gut die das schon konnten und wie sehr sich die ganze Schule bemüht hat, diese Veranstaltung so schön wie möglich zu gestalten.

Im Anschluss hat der Chor aus den Evening Studies ein Englisches Lied eingeprobt und gesungen.

Auch als der Strom mal wieder ausgefallen ist, lief die Veranstaltung halt im dunkeln weiter.

Am Ende der jeweiligen Aufführungen wurden immer die Mütter nach vorne gebeten, damit die Kinder ihre selbst gebastelten Geschenke oder Blumen überreichen konnten.

Total die nette Geste, Vor allem weil alle nach der Abschlussrede sehr gerührt waren (ich eher weniger, Nepali ist auch nicht in ein paar Tagen gelernt…).

Galerie

Erste Eindrücke

Naamaaste!

Endlich da.

Wir steigen in eine Art Landrover und werden nach Darjeeling gebracht. Tausend Eindrücke prasseln auf mich ein:

Bunt gekleidete Leute laufen kreuz und quer über die Straße während die Autos durchgehend hupen um sich lediglich anzukündigen. Je höher die holprige Fahrt geht, desto kühler und nebeliger wird es. Zwischenzeitig wird einer Kuh, einem anderen vollbepackten Auto oder einem Fahrradfahrer ausgewichen. Es ziehen kleine Hütten und Teefelder an mir vorbei.

Straßenschilder werden hier überbewertet, genauso wie die Mittellinie. Nach dem Motto, jeder fährt so, wie er will… Dementsprechend brauchen wir für 60 Kilometer auch 2 ½ Stunden.

Angekommen wurden wir lieb begrüßt mit einem Darjeeling Tee (wer hätte es gedacht). Jetzt lebe ich mit Theresa, Luis und Helene im Hayden Hall, bis wir uns aklimatisiert haben:) Die anderen fahren dann in den Nachbarort um dort zu arbeiten.

Ansonsten habe ich schon eine Kurta (die Kleidung hier) gekauft und mir die Stadt angeschaut…immerhin lebe ich hier für ein Jahr. Es ist sehr voll hier und das gehupe und die Menschenmassen machen es ein bisschen hektisch. Außerdem sieht man hier deutlich mehr Müll als in Deutschland und auch die Luft ist nicht so die beste.

Jedoch hat darjeeling echt schöne Ecken. Es ist bunt und alle grüßen einen mit einem freundlichen Namaste. Die kleinen Gassen sind der Hammer und der Markt, wo es wirklich alles gibt hat eine unbeschreibliche Athmosphäre.

Bald fängt die Arbeit für mich im Strive an. Das ist hier der Kindergarten. Heute habe ich schon ein bisschen gebastelt und beim Lunch geholfen, das die Kleinen auch aufessen;)

Da die Kinder so gut wie nur Nepali sprechen und grade Englisch lernen, stürze ich mich auch mal in die neue Sprache… der Klang ist total schön, vor allem wenn alle zusammen singen.

Jedoch muss ich immer nachfragen was dies und jenes heißt, anders geht es nicht.

Ma ahile jaane sutne, Raamro saangaa jannus!

Ich gehe jetzt schlafen, auf Wiedersehen!

Downtown erkunden
Auch die Kleidung muss mal gewaschen werden
Ausblick von der Dachterasse

Die Geschichte mit dem Visum

Diese Geschichte oder man kann auch sagen Anekdote handelt von indischer Büroktratie.

Anfangs dachte ich, dass ich in das Beantragen viel Geduld und Zeit beansprucht, aber nicht so viel wie es dann gekostet hat.

Zunächst habe ich alle Daten online ausgefüllt und die geforderten Dokumente (Passfotos, Invitation Letter und vieles mehr…), zum Konsulat geschickt. Ein paar Wochn später bekam ich eine E-Mail mit der Aufforderung einen Betrag von 232,64 Euro zu bezahlen…nur an welche Bankverbindung wusste ich immer noch nicht. Nachdem ich dann nach einer weiteren Mail diese heraugefunden habe und auf ein weiteres Nachfragen, ob ich meine Fingerabrücke auch einreichen müsse, kam die Antwort: „You have to come personnally“.

Und das 1 ½ Wochen vor Abflug.

Ich also nach Frankfurt.Dort angekommen habe ich ein Nummer gezogen und wie man es kennt mich dann hingesetzt und gewartet. Nach 40 Minuten wurde es mir zu blöd und ich habe mich kurzerhand vor deren Schreibtisch gestellt und gesagt, dass ich Fingerabdrücke brauche.

Die zuständige Frau fragte nach meinem Namen, woraufhin sie anfing meinen Reisepass zu suchen.

Nach einer gewissen Zeit haben dann drei Leute gesucht, bis dann irgendwann einer auf die Idee kam nach meinem Perso zu fragen…anscheinend hat keiner meinen Namen auch nur ansatzweise verstanden beim ersten Nachfragen. Naja als dann mein Pass gefunden wurde, stellte man fest, dass mir ja noch Kopien fehlten…Letztendens war ich dann drei Stunden dort, um 10 Fingerabrücke zu machen und um 6 Euro für die Kopie der Rechnung zu zahlen…Why not.

Zurück Zuhause

Nach einer Woche hatten dann die anderen, die nach Indien fliegen ihr Visum schon, nur ich nicht.

In den darauffolgenden Tagen hing ich bestimmt drei mal am Telefon und habe denen vier Mails geschrieben. Mit viel hin und her wurde dann mein Pass abgestempelt und ich habe mein Visum bekommen. Dieses musste dann mit dem Kurier zu mir geschickt werden…abholen ging nicht, da ich das Visum ja per Post beatragt habe.

Der Kurier kam Mittwoch um halb 11… um 15:30 bin ich dann losgefahren. Knapper ging nicht.

Grund dafür (hab ich erst später herausgefunden): da ich das Geld überwiesen habe dauert die Bearbeitungszeit 2-3 Wochen, anstatt in Bar 3-6 Tage. Kann ja keiner wissen…

Naja wenisgtens kennen mich die Mitarbeiter im Konsulat jetzt;) und ich bin auf jeden Fall bin ich nun stolze Besitzerin eines Visums.

Seminare- ein kurzer Einblick

Hey!

… ich wollte euch mal erzählen, was so alles schon gelaufen ist, noch bevor ich nach Indien fliege. Denn schon davor fängt das Auslandsjahr an…, nicht erst wenn man am Einsatzort ist.

Nachdem ich mich bei den Jesuits beworben habe und dann auch angenommen wurde, fing die Vorbereitung an. Wir Jesuitvolunteers haben sich insgesamt fünf mal auf den Weg quer durch Deutschland gemacht um an den Vorbereitungsseminaren dabei zu sein.

Wir haben uns viel mit den Themen wie Glaube und Gerechtigkeit, kulturbewusste Kommunikation, Armut, und auch Prävention von Gewalt auseinandergesetzt.

Mir persönlich hat das echt gut getan und auch den Horizont erweitert, vor allem sich mal bewusst zu machen, dass auch sehr viel Armut schon in Deutschland existiert. Dazu haben wir z.B. an einem der Seminare ein Experiment gemacht, in dem wir einen Tag mit Obdachlosen verbracht haben. Und wir hatten außer einem Euro nichts dabei.

Es war krass was die Leute auf der Straße schon alles durchgemacht haben…jedoch jeder von ihnen war unerschütterlich und meistens auch optimistisch. Sie hatten beispielsweise eine andere Person, die ihnen Kraft gespendet hat oder einen Leitsatz wie: „Wenn Gott oder das Schicksal es will wird er mir ein Zeichen geben und eines Tages komme ich von der Straße, wer weiß“.

Das ist den meisten Menschen gar nicht so bewusst, da sie in dieser „heilen Welt“- Blase leben oder die Augen davor verschließen. Genau das möchte ich in meinem Jahr verstehen: Was sozial benachteiligte Menschen antreibt und um das zu verstehen möchte ich einfach mitleben in ihrer Kultur. Vor allem Offenheit, Neugier aber auch Verständnis spielen für mich eine große Rolle.

Ansonsten habe ich viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet, damit die Leute über mein Projekt Bescheid wissen und bestenfalls dieses mit Spenden unterstützen. Ein Artikel über mein Projekt war beispielsweise in der Zeitung und habe in mehreren heiligen Messen einen kurzen Vortrag gehalten.

Mein nächster Eintrag wird dann aus Indien kommen… bis bald:)